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M. Janicke H.-J. Bolle A. Carius (Hrsg.)

Umwelt Global
Veranderungen, Probleme, L6sungsansatze

Mit einem Geleitwort von L. Wicke

Mit 46 Abbildungen

Springer-Verlag
Berlin Heidelberg New York
London Paris Tokyo
Hong Kong Barcelona
Budapest

Page 126

122 M. Janicke

Die implizierten Transportstrome sollten hier als eigensHindiger Indikator
erfaBt werden, auch wenn sie Teil des ("internen") Produktionsprozesses
und in der Ressourcenbilanz mit ihrem Energie-, Material- und FHichen-
verbrauch bereits berucksichtigt sind. Eine Produktion mit geringer
MaterialintensiHit kann - bei starker regionaler Arbeitsteilung - gleich-
wohl eine hohe Transportintensitiit aufweisen. Zumindest fUr eine
okologische Bewertung der Produktionsstruktur und ihres Wandels
ist dieser Indikator von unbestritten hoher Bedeutung. Zusiitzlich ist im
Hinblick auf die Emissionen auch die separate Erfassung des Einsatzes
von Luft ergiinzend notwendig (Steurer 1994; Schutz u. Bringezu 1993).
Wenngleich dies methodisch nicht durchhaltbar ist, muB grundsatzlich die
jeweilige Stoffmenge mit einem Risikofaktor bewertet werden; so un-
terschiedliche Stoffe wie Kies und Plutonium mach en dies offensichtlich
(wobei auch Kies bei Gewinnung, Transport oder Abfallbeseitigung alles
andere als frei von Umweltproblemen ist).

• Die umweltwirksamen Outputs des Produktionsprozesses sind

- Abfiille,
- Emissionen und dissipative Verluste und
- Stoffeintriige in die Umwelt in Form von Dungemitteln und Pestiziden.

Hinzukommen als potentielle Abfalle die eigentlichen Produkte:

- Gater fUr den Endverbrauch und
- Bauten und Anlagen.

Sie sind zwar kein Output im okologischen Sinne; denn sie verbleiben,
solange sie genutzt oder als Abfall wiederverwertet werden, "im System";
aber die noch zu behandelnden Probleme des Recycling legen es nahe,
systematisch daran zu erinnern, daB auch die Produkte potentieller
Abfall sind und daB die Verringerung ihrer Masse ein unerlaBlicher
Beitrag zur Umweltentlastung ist.

• SchlieBlich geht es urn die Impacts in Form von raumlich wirksamen
Umweltbelastungen, Immissionen, Bodenbelastungen, Entnahmen aller
Art fUr produktive Zwecke, Verluste aller Art (Biodiversitiit, Naturflachen
etc.).

Produktionsinputs und -outputs lassen sich einigermaBen aufeinander be-
ziehen. Dagegen ist eine exakte Zuordnung von Outputs und Impacts (z.B.
Emissionen und Immissionen) methodisch kaum moglich. Sie bleibt notge-
drungen unvollstiindig, wenn sie nur im regionalen oder nationalen MaBstab
erfolgt, wo immer ein erheblicher, meist nicht erfaBbarer Teil importiert
oder exportiert wird.

Am ehesten lassen sich Ursachen und Wirkungen als hochaggregierte,
globale GroBen zuordnen: Aile stofflichen Inputs werden zu Emissionen
oder Abfiillen, die sich im globalen MaBstab akkumulieren. Auf der
regionalen Ebene kann hingegen in Regelfall nur gelten: Irgendwo bleiben

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Kriterien und Steuerungsansiitze okoiogischer Ressourcenpoiitik 123

die stoffiichen Inputs, und irgendwo wurden die ortlichen Umweltbelastungen
hervorgerufen. Dies ist den groBraumigen Schadstofftransporten, den schwer
zu erfassenden stofftichen Aspekten der internationalen Giiterstrome, den
vielfaltigen chemischen Reaktionen von Schadstoffen oder den indirekten
Umwelteffekten durch klimatische Veranderungen geschuldet. Eines der
weiteren Probleme einer unmittelbaren Zuordnung von Ursache (Input/
Output) und Wirkung (Impact) ist die Tatsache, daB die aufnehmenden
Raume unterschiedlich empfindlich, die Wirkungen also ebenfalls unter-
schiedlich sind (Zieschank et al. 1993). DaB dennoch im Rahmen der
geplanten Umweltokonomischen Gesamtrechnung (Bundesumwelt-
ministerium 1992; Hamer u. Stahmer 1992) analog zur Bruttosozialprodukt-
berechnung auch die Stoffstrome quantitativ so gut wie moglich miterfaBt
werden, ist ein sinnvoller und auch weith in aussichtsreicher Versuch; aber es
werden in der regionalen und nationalen Bilanz gleichwohl Liicken bleiben.

Insgesamt spricht manches fUr die SchluBfolgerung von Kuik und
Verbruggen: "Given this state of affairs, it is preferable to monitor sus-
tainable development with a set of 'quick and dirty' indicators" (Kuik u.
Verbruggen 1991, S 2).

4 Notwendige Differenzierungen

Okologisch tragfahige Entwicklung ist zu unterscheiden von entkoppeltem
("qualitativem") Wachstum, im Sinne eines produzierten Wertzuwaches bei
Nullzuwachs der okologisch relevanten Inputfaktoren. Sie ist mehr als das.
Der herkommliche Begriff des "qualitativen Wachstums" beriicksichtigte
(noch) nicht die Unterschiede zwischen den einzelnen Inputfaktoren. Ein
Nullzuwachs der Siedlungsfiachen und des Wasserverbrauchs ware, wenn
keine Ubernutzungen vorliegen, grundsatzlich okologisch tragfahig. Hier
geht es urn die Stabilisierung auf akzeptablem Niveau. Ahnliches gilt fUr das
Transportaufkommen und fUr die (hier ausgeklammerte) Larmproblematik.
Hier ist wirklich das Wachstum das Problem. Ein Nullzuwachs bei den
FluBgroBen Energie- und Materialverbrauch hingegen ist prinzipiell keine
Problemlosung; denn hier wachst - unter sonst gleichbleibenden Bedingungen
- die Menge schon in einem Jahr auch dann urn das Doppelte, wenn
"Nullwachstum" besteht.

Das Problem der Industriegesellschaften liegt also nicht nur und nicht
so sehr in ihrem Wachstum. Das eigentliche Problem entsteht durch den
AkkumulationsprozeB der FluBgroBen Rohstoffe und Energietrager (bzw.
Abfalle und Emissionen), die auch dann, wenn sie nicht wachsen, auf der
Bestandsebene (ceteris paribus, also ohne Beriicksichtigung natiirlicher
Abbauprozesse) von einem Jahr urns andere urn 100% zunehmen. Auch
wenn der jahrliche Giiterberg nicht wachst, wachsen Jahr fUr Jahr die
Miillhalden. Beim Flachenverbrauch hingegen ist das entscheidende Problem

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Sachverzeichnis

Nicht-Regierungsorganisationen 81, 177,
1S0f., 232, 247

Niederschliige 25ff., 64, 66
Normierter Differenz-Vegetationsindex 55

Oko-Audit 95
Oko-Bilanzen 133
Oko-Controlling 157, 162
Okologischer Marshall-Plan VI
Okologischer Rucksack 125
Okosystem 6, 73ff., 78, 166, 172, 174, 186,

189ff.
Osterreich 125f.
Ozeanstriimungen 13, 16
Ozon 32,35,36,73
Ozonabbau 5, 13,31,33,35, 37ff., 43, 45,

145,207,209
Ozonsmog 69

Partizipation 245
Photolyse 31f.,39
Polarwirbel 39ff.
Priivention 97
Prinzip Verantwortung 223,239f.
Produktivitiitssteigerung 131, 167
Produktlebensdauer 126, 133
Produktverantwortung 88
Professorenentwurf 97, 100
Prognostik If., 48, 209

Querschnittspolitik 237

Recycling 74ff., 83, 88, 90, 94, 124, 126
Regenwald 7,183,186, 188f., 192,209
RekultivierungsmaBnahmen 100ff.
Ressourcennutzung 89, 91f., 127, 131,

169ff., 174, 178, 180, 190, 194
Ressourcenpolitik 6, 119
Revolution, prometheische 167
Risiken 8,204, 227f., 229, 230f.
Risikodiskurse 229,234,240
Risikogesellschaft 8, 226ff., 234ft.
Risikomanagement 8,225,229, 234ff., 237,

240
Rohstoffsektor 123, 168f.
Riicknahmepflicht 92f.

Schweden 127, 130
Schwefeldioxid (S02) 66ff.
Schwermetalle 76
Semiaride Gebiete 23,29
Senken 171
Sicherheit 225ff.

251

Smog 43,6Sf.
Sonnenfleckenzyklus 36
Sonnenreflexionsspektrum 53
Sozialwissenschaften S5, 170, 184, 187, 189,

192,210,213
Spektrometer 51, 54f., 57
Staatsversagen 129
Stadt 61,73, 76f., 194,204
Stadtgerechte Industrien 134
Stadtklima 6, 6 Iff. , 77
Stadtumwelt 6, 73, 76f.
Steuerreform, iikologische 131, 144f., 246
Steuerungssysteme 91,93,119,129,131,

135,171,201,229
Stickoxide 66, 69
Stoffbilanzen 78,95, 124
Stoffkreislauf 6, 13,22, 74, 76, 78, 85, 87,

119,124,127
Stoffpolitik 88ff., 90ff., 129, 13S, 140, 157
Strahlung 12, 48f., 53
Strategie 129,233
Stratosphiire 15, 31ff., 35ff., 39, 41ff.
Strukturpolitik, iikologische 133
Sustainable Development 82, 119ff., 129,

142, 152, 154, 166, 174, 177, 183,227

Technik 8, 157, 168,207,210, 225ff., 230f.,
236

Techniksteuerung 208, 230f., 234, 240, 244,
247

Treibhauseffekt V, 11f., 19,28,137,145,
209

Treibhausgase 28, 3 Iff. , 137
Trinkwasser 27f.
Tropen 12f., 18,35,38
Tropopause 15
Troposphiire 14f., 43

Umorientierung, iikologische 151, 161
Umwelt als komplexes System 1,3
Umweltbeohachtung, globale 2f.
UmweltbewuBtsein 7f., 197ff., 216, 218
Umweltforschung 1,2,4,85,207,239
Umweltgesetzbuch (UGB) 97,100ff.
Umwelthaftung 99f., 1 !Of., 112, 114
Umweltkommunikation 209f.
Umweltiikonomische Gesamtrechnung 121,

123, 133
Umweltpolitik 4,8, 124f., 126, 129f., 131,

149, 172, ISO, 192
Umweltpolitische Steuerungsmechanismen

91,93,119,131,135,171,201,229,242
Umweltregime, globale 170ff., 177, 180

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252

Umweltsteuer 94, 175, 191
Umweltveranderungen V, 1,5,73,97,120
U mweltverhalten 8, 197ff.
Umweltwissen I 97ff.
UNCED 138, 172
USA 140,149, 167,208
UV-Strahlung 32,38,43,69

Vegetation 22f., 26, 49, 59, 75, 80
Verantwortung 210, 213ff., 218, 221,

239,242ff.
Verdunstung 25f.
Verhalten, umweltgercchtes 200ff.
Verursacher 99,109, III, 113, 127
Vulkaneruptionen 36, 38

Waldsterben 139,209
Wasser 25ff., 78, 91, 101

Sachverzeichnis

Wasserkreislauf I1ff., 16, 18ff., 22f. ,25ff.
Wasserreserven 11, 26
Weltbank 183, 187f.
Weltordnung 7, 165ff., 168, 172, 181, 236
Wettbewerbsfahigkeit 93, 169
Wirtschaftswachstum I 23ff. , 129f., 134, 183
Wohlstandsmodell 135, 168
Wiistenbildung 12, 26

Zonierung 184ff., 194
Zukunftsrat 247

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