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TitleSchläft das Personal auch an Bord
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Staaten meinte einmal zum Autor: »Engländer? Die können Sie
glatt vergessen. Die sind ja noch nicht mal Christen: Die beten
ihre Königin an.« Wenn sich profundes Halbwissen mit einem
Arsenal von Vorurteilen zu genialen Bonmots verdichtet, erlebt
man Sternstunden menschlicher Gehirnaktivität.

Ein besonderes Thema für Schiffsreisen sind die Inseln der
Südsee. Denn sie sind nur selten so, wie man sie sich vorstellt –
als unberührt-fruchtbares Paradies inmitten türkisfarbener Atolle.
Das liegt bei einigen dieser Inseln daran, dass im Zuge der
Klimaerwärmung der Meerwasserspiegel ansteigt und die
Einwohner sich auf einen Exodus vorbereiten Bei
anderen liegt es daran, dass regelmäßig Hurrikans mit 160 – 200
Stundenkilometern über die Insel donnern und keinen Stein auf
dem anderen lassen Bei dritten liegt es daran, dass man
gar nicht auf die Insel kommt, weil der Schwell zu stark ist.
Aitutaki ist so ein Eiland, das oft mit »Schwell« zu kämpfen
hat.

Wo war ich stehen
geblieben? Genau … beim Schwell. Der Schwell besteht aus
langgezogenen Wellen, die nicht vom aktuellen Wind bewegt
werden, sondern sich über lange Distanzen aufbauen, dann beim
Auftreffen auf ein Atoll stark brechen und eine Passage der
Atolleinfahrt unmöglich machen. Und in Aitutaki macht der

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Atolleinfahrt unmöglich machen. Und in Aitutaki macht der
Schwell oft die Insel zu. Übrigens auch bei der Anlandung auf
der Osterinsel. Und ganz besonders auf der 2078 km entfernten
»Nachbarinsel« – der alten Meutererinsel Pitcairn. Dort leben
die Nachfahren der »Meuterer von der Bounty«. Sollten Sie es
dennoch auf diese Insel schaffen, hier eine kleine Warnung:
Überlegen Sie sich gut, welches Beinkleid Sie beim Besuch der
Insel anziehen. Denn den Schlamm dieser Insel kriegen Sie aus
keinem Gewebe mehr raus! Warum das so ist, weiß ich nicht.
Aber es ist eine leidvoll erfahrene Tatsache. Sollten Sie sich
allerdings eine »Abenteurerhose« zulegen wollen, die die Patina
Ihrer vielen Reisen sinnfällig zeigen soll, ziehen Sie die auf
Pitcairn unbedingt an. Dann schmücken die Schlammflecken
ungemein, zum Beispiel, indem Sie erklären, WOHER die
unauswaschbaren Dreckflecken auf Ihrer Hose stammen. Eine
echte Story für alle Daheimgebliebenen. So schlägt man Prestige
aus dem Dreck an seinem Stecken.

Versperrt einem der Schwell nicht den Zugang
, kann man auf Südsee-Inseln unerwartet Interessantes

erleben. Wie die Gruppe Reisender, die auf einem abgelegenen
Eiland eine Insulaner-Volkstanzgruppe bestaunte. Im Anschluss
an diese folkloristische Einlage wurden sie vom
Stammeshäuptling in seine Hütte auf ein Gastgetränk
eingeladen. Man folgte ihm, trank das Gastgetränk, das zwar
etwas ungewohnt schmeckte, aber im Grunde nicht übel. Nach
so erlebter Gastfreundschaft und »Gesprächen« in
Zeichensprache verabschiedeten sich die Fernreisenden alsbald

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1891, 1905, 1928, 1982, 1999 (die jetzige) – und 2013 das
Schwesterschiff MS Europa 2

Merken Sie was? Im Deutschen wird die Bedeutung von »sich das
Leben nehmen« meistens um 180 Grad verdreht benutzt. Denn
seiner ursprünglichen Bedeutung nach ist dieser Ausdruck
optimistisch und dem Leben und seinen Freuden aus vollem Herzen
zugewandt.

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