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TitleKompetenzfördernde Arbeitsbedingungen: Zur Konvergenz ökonomischer und pädagogischer Prinzipien betrieblicher Personal- und Organisationsentwicklung
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Christian Harteis

Kompetenzfordernde Arbeitsbedingungen

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WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFT

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Kritische Bestandsallfnahme llnd Entwllrf des Regensburger Konvergenz-Konzepts 123

dueller Personlichkeitsentwicklung verfolgen und berufliches Handeln daher

(auch) padagogischen Maximen zu folgen habe. AuEer Zweifel steht, dass Be-

schaftigte mit ihrem beruflichen Handeln okonomische OberJegungen in Ver-

bindung bringen, da Erwerbsarbeit gerade tiber die Bereitstellung der

okonomischen Lebensbasis definiert wird (vgl. HAMMER 1997, S. 57; LUTZ

1989, S. 219ff.). Erwerbsarbeit wird jedoch nicht tiber die Erftillung padagogi-

scher Zielsetzungen und Bedtirfnisse Beschaftigter definiert, unabhangig da-

von, wie weit im Rahmen von Untemehmensprogrammatik solche

Oberlegungen aufgegriffen werden. Von daher ist die Frage zu klaren, ob die

Unterstellung padagogischer Oberlegungen im Zusammenhang mit berufli-

cher Arbeit empirisch belegbar ist oder ob sie als "padagogischer Imperialis-

mus" bzw. "Padagogisierung der Arbeitswelt" anzusehen ist.

5.2 Entwurf des Regensburger Konvergenz-Konzepts

Nachdem nun in einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Stand der er-

ziehungswissenschaftlichen Debatte urn die Bewertung der Veranderungen in

der Arbeitswelt Probleme im aktuellen Forschungsstand benannt wurden, soil

hier mit dem Regensburger Konzept der Konvergenz okonomischer und pa-

dagogischer Prinzipien betrieblicher Personal- und Organisationsentwicklung

ein Ansatz vorgestellt werden, der die benannten Schwachstellen vermeidet

und daher tiber den aktuellen Literaturstand hinausgeht. Das Konzept 5011 im

Unterschied zu anderen Ansatzen nicht aus programmatisch-normativen Aus-

sagen abgeleitet werden, sondern aus einer rationalen Beschreibung von

Problemen und Herausforderungen der Ausgestaltung betrieblicher Arbeits-

organisation hervorgehen.

1m Rahmen des DFG-Projekts "Betriebliche Personalentwicklung" (Aktenzei-

chen He1158/4-1) wurde ein Regensburger Konzept der Konvergenz okono-

mischer und padagogischer Prinzipien betrieblicher Personal- und

Organisationsentwicklung entworfen, das im Unterschied zu den im Kap. 4.3

beschriebenen Ansatzen einen anderen theoretischen Bezugsrahmen setzt und

auf die Berufung auf Untemehmensprogrammatik verzichtet. Die Stimmigkeit

der Konvergenzannahme kann aus okonomischen und padagogischen

Grundkonzepten heraus argumentiert werden, wobei ftir die Beschreibung

dessen, was in dies em Konzept als okonomisches und padagogisches Prinzip

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124 Kritische Bestandsaufnahme und Entwurf des Regensburger Konvergenz-Konzepts

verstanden werden soIl, die Bezugnahme auf wesentliche, grundlegende theo-

retische Positionen geniigt.

5.2.1 Die 6konomische Perspektive betrieblicher Personal- und
Organisationsentwicklung

Privatwirtschaftlich gefiihrte Untemehmen verfolgen in der Regel keinen

Selbstzweck, sondem unterliegen dem Primat der Wirtschaftlichkeit. Dieses

legt als ersten und grundlegenden Untemehmenszweck die Erwirtschaftung

von Ertragen fest, wobei damit nur ein sehr abstraktes und unklares Grund-

prinzip beschrieben ist, dessen Konkretisierung in eine Vielzahl unterschiedli-

cher Kriterien von Wirtschaftlichkeit miinden kann (vgL ULRICH 1996). Das

formale bkonomische Prinzip besteht darin, aus vorhandenen knappen Res-

sourcen maximalen Nutzen zu erzielen oder einen angestrebten Nutzen mit

minimalem Ressourceneinsatz zu erreichen (vgL WOHE 1971, S. 3ff.). Aus der

Knappheit der Ressourcen resultiert die Notwendigkeit des sparsamen Um-

gangs und der sparsamen Verwendung.

Betriebe, die auf Konkurrenzmarkten agieren, folgen in der Regel dem Leit-

prinzip der Nutzenmaximierung (vgL BECKER & BECKER 1998, S. 38ff.; FRANCK

1998, S. 21; kritisch dazu z.B. SCHAAFF 1999; SEIDEL 1994). Nun ist die Frage

der Nutzenmaximierung stark an jeweils festzulegende Zeitperspektiven ge-

bunden (vgL BIEVERT & HELD 1995) und von der Definition des Anfangs- und

Endzeitpunktes der Bewertungsfrist abhangig; in den Betrieben sind das iibli-

cherweise kurze Quartals- bis Jahresfristen (zu den Konsequenzen hieraus fiir

die Bildungsarbeit vgL HARTEIS 2000b). Das Prinzip der steten Nutzenmaxi-
mierung ist jedoch mittlerweile selbst in den Wirtschaftswissenschaften - dort

vor aHem unter dem Gesichtspunkt nachhaltigen Wirtschaftens vor dem Hin-

tergrund der Endlichkeit narurlicher Ressourcen - umstritten (vgL hierzu

5ammelband BIEVERT & HELD 1994; HARBORTH 1999), so dass im Rahmen des

Regensburger Konvergenz-Konzepts von Nutzenoptimierung als wirtschaftli-

chern Leitprinzip gesprochen werden soIl. Damit wird eine Abwendung von

kurzfristigen Erfolgskalkiilen dokumentiert, die WIELAND (1996) folgender-

maJSen pointiert: "Man muJS <gegebenenfalls> aus bkonomischen Griinden

auf Okonomie verzichten" (5. 59).

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