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TitleDie transformative Macht der Demografie
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                            Inhalt
1
Wandel gestalten. Forschungsimpulse aus dem Feld der Bevölkerungswissenschaft. Eine Einleitung
	Zum vorliegenden Band
	Literatur
I „Demografische Trägheit“ – warum wir die Bevölkerungswissenschaft als Disziplin brauchen, um Revolutionen auf leisen Sohlen wahrzunehmen
	2 Der gesellschaftliche Auftrag der Demografie, demografischer Metabolismus und Bildung als dritte demografische Dimension. Ein Interview mit Wolfgang Lutz
	3 Demografie und Geopolitik
		1 Demografie als Sozialwissenschaft – Quantität und Qualität
		2 Historische Tendenzen und Bevölkerungsdynamik
		3 Macht im 21. Jahrhundert
		4 Geopolitik – Sichtweise und Prinzipien
		5 Demografische Transformation und Geopolitik
		6 Nord-Süd-Konflikt – und kein Ende
		Literatur
	4
Das Postulat einer „intelligence démographique“: Die Bevölkerungswissenschaft in Frankreich
		1 Entstehung und Ausrichtung der französischen démographie
		2 Der Einfluss auf Politik und Gesellschaft: Die französische démographie als Bindeglied zwischen Wissenschaft und politischer Praxis
		Literatur
	5 Die demografische Trägheit und ihre Politikresistenz
		1 Vorbemerkung
		2 Was versteht man unter demografischer Trägheit?
		3 Zur Geschichte der Altersstruktur in Deutschland
		4 Hilft ein Geburtenanstieg gegen die demografische Alterung?
		5 Hilft Zuwanderung gegen die demografische Alterung?
		6 Schlussbemerkungen
		Literatur
II
Fertilität, Alterung, Migration, statistische Bevölkerungsveränderungen – die Herausforderungen der Bevölkerungsentwicklung
	6 Die demografischen Transformationen und das ungelöste Genderproblem
		1 Einleitung
		2 Theoretische Ausgangspunkte
		3 Die demografischen Übergänge
		4 Institutioneller Wandel, Individualisierung und Pluralisierung
		5 Fertilität und Geschlechterrollen
		6 Empirische Ergebnisse
		7 Diskussion – die gestalterische Macht der Demografie
		Literatur
	7
Facetten und Perspektiven der Geburtenentwicklung in Deutschland
		1 Einführung
		2 Geburtenentwicklung als Zusammenspiel von Altersstruktur der Frauen und Periodenfertilität
		3 Neue und alte Tendenzen in der Periodenfertilität
		4 Spätere Familiengründung und Gesamtzahl der Kinder je Frau
		5 Fazit
		Literatur
	8
Familiengründung und Migration: Aussiedlerinnen und türkischstämmige Migrantinnen im Vergleich
		1 Einleitung
		2 Theoretische Vorüberlegungen: Lebenslauf, Migration und Familiengründung
		3 Daten und Methoden
		4 Ergebnisse
			4.1 Deskriptive Analysen
			4.2 Multivariate Ergebnisse
		5 Zusammenfassung
			Danksagung
		Literatur
	9
Female Employment and Higher Fertility – Policy Goals in Perfect Harmony?
		1 Introduction: Relations between Female Employment and Fertility Revisited
		2 Female Employment and Fertility in European Comparison
		3 Low Fertility in Germany: What the East-West Differences Teach about the Relationship between Child Care, Employment and Fertility
		Bibliography
	10
Gute Aussichten auch für ein alterndes Deutschland
	11 Lebenserwartung 100 Jahre – ein (Alb-)Traum? Bemerkungen zur aktuellen Lebenserwartung
		1 Die Fragestellung
		2 Modellrechnungen als Antwort
		Literatur
	12
Potenzial der zukünftigen Entwicklung der Lebenserwartung
		1 Einleitung
		2 Konstruktion einer hypothetischen Sterbetafel mit einer Lebenserwartung von 100 Jahren
		3 Hypothetische Entwicklung zu einer Lebenserwartung von 100 Jahren im Jahr 2050
		4 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
		Literatur
	13 Lebensverlängerung und die Folgen für den Pflegebedarf bezogen auf das Lebensalter über 60
		1 Einführung
		2 Lebensverlängerungsprozess
		3 Zielstellung
		4 Pflegestatistik in Deutschland
		5 Material und Methoden
		6 Ergebnisse
		7 Fazit
		Literatur
	14
Arbeitsmarktbezogene Ungleichheiten und subjektive Belastung beim Übergang in den Ruhestand
		1 Einleitung
		2 Die Betrachtung des Übergangs in den Ruhestand aus der Lebensverlaufsperspektive
			2.1 Theoretischer Hintergrund
			2.2 Stand der Forschung und Einbettung in die Forschungsfrage
		3 Datengrundlage und Methoden
		4 Ergebnisse
		5 Einordnung der Befunde im Kontext einer demografiesensiblen Politik
		Literatur
	15
Physische Mobilität und Gesundheit im Alter. Ansätze zur Reduktion von Pflegebedürftigkeit und Demenz in einer alternden Gesellschaft
		1 Determinanten von Pflegebedarf im höheren Alter
		2 Physische Mobilität und Gesundheit im Alter
			2.1 Stürze und Verletzung der Extremitäten (VdE) im höheren Alter
			2.2 Das Krankheitsbild der Demenz
			2.3 Mobilitätsbeschränkungen als Risikofaktor für Demenz
		3 Empirische Studie
			3.1 Datengrundlage – Die Routinedaten der gesetzlichen Krankenkasse AOK
			3.2 Definition von Demenz und Pflege
			3.3 Definition von Mobilitätsbeschränkungen
			3.4 Statistische Methoden
		4 Ergebnisse
			4.1 Mobilitätsbeschränkungen in der Stichprobe
			4.2
Demenz
			4.3 Eintritt in Pflege
			4.4 Einfluss unterer Extremitätenverletzungen auf verbleibende Lebenserwartung
		5 Zusammenfassung
			Danksagung
		Literatur
	16
Migration und Bevölkerung
		1 Einleitung
		2 Steuerbarkeit von Migration
			2.1 Kettenwanderung
			2.2 Einhegung durch Recht
			2.3 Akteure und Interessen
		3 Bevölkerung „mit Migrationshintergrund“
			3.1 Begrenzte Aussagekraft des „Migrationshintergrundes“
			3.2 Zunehmende Heterogenität
		4 Demografischer Wandel und Migration
		Literatur
	17
Migration und migrationsbedingte Veränderungen der Bevölkerungsstruktur in Deutschland. Befunde, Prognosen und Herausforderungen
		1 Einleitung – Migration als Komponente der Bevölkerungsentwicklung
		2 Migrationstheorie – Kettenmigration als kumulativer Prozess
		3 Die Wanderungsentwicklung in Deutschland
		4 Wanderungsprognosen am Beispiel der EU-Osterweiterung
		5 Der Einfluss von Wanderungsvorhersagen auf die Bevölkerungsstruktur
		6 Personen mit Migrationshintergrund
		7 Fertilität im Migrationskontext
		8 Replacement Migration oder: Kann Migration eine Lösung demografiebedingter Probleme sein?
		9 Fachkräftemangel, Arbeitsmigration und Fluchtmigration
		10 Schlussfolgerungen und Herausforderungen
		Literatur
	18
Die Entstehung von Migrationspotenzial – neue Entwicklungen
		1 Einleitung: Weltbevölkerungsentwicklung und grenzüberschreitende Migration
		2 Migrationspotenzial – Begriffsklärung und Herleitung
		3 Forschungsrahmen zu Migrationspotenzial
		4 Analyse am Beispiel der Herkunftsregion Afrika
			4.1 Abwanderungsfaktoren – Demografische, ökonomische, politische und ökologische Strukturdifferenzen
			4.2 Netzwerkfaktoren
			4.3 Handlungsoptionen zur Minderung der Abwanderung aus Afrika
		5 Schlussfolgerung und methodischer Ausblick
		Literatur
	19
Herausforderungen der globalen Bevölkerungsentwicklung
		1 Wachstum der Weltbevölkerung
			1.1 Bevölkerungswachstum seit Mitte des 20ten Jahrhunderts
			1.2 Folgen des modernen Weltbevölkerungswachstums
		2 Umschichtung der Globalen Bevölkerung
		3 Folgen der Umverteilung der Weltbevölkerung
		4 Urbanisierung
		5 Folgen der Urbanisierung
		6 Alterung
		7 Folgen einer Alterung der Weltbevölkerung
		8 Schlussfolgerung
		Literatur
	20
Im Osten etwas Neues?
		1 Problemlage
		2 Wahrnehmungsdefizite und regionale Dimension
		3 Politik
		4 Blick ins Ausland
	21
Bevölkerungsprojektionen ethnischer Gruppen in Großbritannien und Nordirland. Die räumliche Ausbreitung ethnischer Diversität
		1 Ethnische Gruppen im Vereinigten Königreich
		2 Wieso wollen wir die ethnische Komposition der Bevölkerung voraussagen?
		3 Das Kohorten-Komponenten Model
		4 Abschätzungen der Komponenten
			4.1 Fertilitätsraten ethnischer Gruppen
			4.2 Sterblichkeitsraten ethnischer Gruppen
			4.3 Migration
				4.3.1 Binnenwanderungsraten ethnischer Gruppen
				4.3.2 Internationale Migration ethnischer Gruppen
		5 Annahmen und Ergebnisse
			5.1 Annahmen
			5.2 Ergebnisse
			5.3 Wachstum ethnischer Gruppen
			5.4 Die zukünftige Bevölkerungszusammensetzung
			5.5 Die geografische Verteilung ethnischer Gruppen
		6 Fazit
		Referenzen
III
Paare und Kinder – Geltungsverlust oder Transformation der Lebensform Familie?
	22
Die Romantisierung des Kindes und der Wandel der Lebensphase Kindheit
		Literatur
	23
Partnerlosigkeit in Deutschland und im internationalen Vergleich
		1 Einleitung
		2 Partnerlosigkeit im sozialwissenschaftlichen Diskurs
		3 Empirische Befunde zur Entwicklung der Bindungsquoten
		4 Die Verkürzung der Beziehungsphasen
		5 Hintergründe und Einflussfaktoren der Realisierung stabiler Partnerbindung
		6 Partnerbindung im höheren Lebensalter
		7 Partnerlosigkeit im internationalen Vergleich
		8 Ausblick
		Literatur
	24
Bedeutungsverlust, Polarisierung, wachsende Vielfalt?
		1 Einführung
		2 Zur Logik von Mehrebenen-Effekten demografischen Wandels
		3 Wandel der Lebensformen
			1. Szenario: Nachhaltiger Bedeutungsverlusts von intimer Partnerschaft
und Elternschaft
			2. Szenario: Dauerhafte Polarisierung der Bevölkerung
			3. Szenario: Bedeutungserhalt und Steigerung der Vielfalt von
Lebensformen
		4 Kurzes Resümee
		Literatur
	25
The Road to Children is Paved with Good Intentions. Über die Determinanten von Kinderwunsch, Fertilitätsintention und deren Realisierung
		1 Einleitung
		2 Hintergrund: Fokus Schweiz – Ein Spezialfall mit weltweiter Bedeutung
		3 Theorie
		4 Hypothesen
		5 Daten und Methoden
		6 Resultate
		7 Konklusion
		Literatur
	26
Das „cultural lag“ in der Familienpolitik
		1 Die Frauenerwerbstätigkeit – keine großen Sprünge seit 1990
		2 Die späte Einführung des Elterngeldes
		3 Der verspätete Ausbau der Tagesbetreuung
		4 Das „cultural lag“ und seine Folgen
		5 Ausblick: die Möglichkeit, doch noch eine stabile Bevölkerungsstruktur zu erreichen
		Literatur
IV Handlungsauftrag Demografie? Politische Gestaltungsmöglichkeiten; Demografiepolitik
	27
Herausforderungen der Familienpolitik für Land und Kommunen. Ein wissenschaftspragmatischer Diskurs
		1 Vorbemerkung
		2 Der demografische Kontext und seine Grenzen
		3 Was Kinder brauchen
		4 Familienpolitik auf der Ebene von Land und Kommune
		5 Beeinflussung sozialer Umwelten als Aufgabe örtlicher Familienpolitik
		6 Zusammenfassung
		Literatur
	28
Demografi epolitik zur gesellschaftlichen Transformation: Möglichkeiten und Grenzen
		1 Historische Einordnung der Demografiepolitik
		2 Demografische Trends und ihre transformative Kraft
		3 Notwendige normative Begründung der Demografiepolitik
		4 „Dem deutschen Volke“ oder „Der Bevölkerung“?
		Literatur
	29 Gäbe es das Elterngeld ohne demografische Argumente? Eine Analyse anhand des Policy-Cycle der Elterngeldreform
		1 Einleitung
		2 Der Policy-Zyklus zur Elterngeldreform
			2.1 Einsetzen der Strategiegruppe und Vorbereitung des Agenda-Settings
			2.2 Agenda-Setting im politischen Diskurs und in den Massenmedien
				2.2.1 Startschuss des Agenda-Settings in der Öffentlichkeit am 5.9.2004
				2.2.2 Parteipolitische Positionierungen
				2.2.3 Der Siebte Familienbericht als Herzstück des Agenda-Settings
				2.2.4 Vorgezogene Neuwahlen
			2.3 Politikformulierung und Entscheidung
				2.3.1 Kompetenz
				2.3.2 Kommunikation der verschiedenen Ziele
				2.3.2 Kommunikation von Elterngeld-kritischen Positionen
				2.3.3 Akteurskonstellation
				2.3.5 Durchsetzung der Elterngeldreform
		3 Fazit
			3.1 Demografische Argumente waren entscheidend für die Elterngeldreform
			3.2 Die komplementäre Zielstruktur der Familienpolitik
		Literatur
	30 Der Mortalitätseffekt auf das deutsche Rentensystem und eine automatische Anpassung des Renteneintrittsalters
		1 Einleitung
		2 Der demografische Einfluss auf das Rentenbudget
		3 Entwicklung des Beitragssatzes und Rentenniveaus im deutschen Rentensystem
		4 Dekomposition des demografischen Einflusses
		5 Anpassung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung
		6 Schlussfolgerungen
		Literatur
	31 Langfristige Tragfähigkeit der Sozialfinanzen
		1 Einleitung
		2 Projektionen für die Ausgaben der Sozialversicherungen
			2.1 Gesetzliche Rentenversicherung (GRV)
			2.2 Gesetzliche Krankenversicherung GKV)
			2.3 Soziale Pflegeversicherung
			2.4 Arbeitslosenversicherung
			2.5 Sozialbeiträge
		3 Effekte für die öffentlichen Finanzen
			3.1 Staatsverschuldung
			3.2 Tragfähigkeitslücke
		4 Handlungsoptionen
		Literatur
	32 Der demografische Wandel läuft und läuft. Ohne regionale Anpassungsstrategien geht es nicht
		1 Einleitung
		2 Wesentliche Herausforderungen
		3 Starke regionale Disparitäten
		4 Zur Demografiestrategie der Bundesregierung
		5 Fazit
		Quellen
	33
Gibt es eine sichere Rente?
		1 Problemstellung
		2 Wir brauchen viele Säulen für die Altersvorsorge
			2.1 Grundsicherung im Alter
			2.2 Staatliche Altersrenten
			2.3 Gesundheit und Pflege im Alter
			2.4 Betriebliche Altersrenten
			2.5 Private Vorsorge mit Finanzanlagen
			2.6 Vorsorge für altersgerechtes Wohnen
			2.7 Längere Lebensarbeitszeit
			2.8 Lebenslanges Lernen und Aktivität
		3 Conclusio
		Quellen
	34
Die transformative Macht der Demografie
	35 Den demografischen Wandel ernst nehmen, Familienpolitik als Gesellschaftspolitik, Vereinbarkeit von Kindern und Beruf. Ein Interview mit Renate Schmidt
Autorenverzeichnis
                        
Document Text Contents
Page 1

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Die trans-
formative Macht
der Demografie

Tilman Mayer Hrsg.

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Die transformative Macht der Demografie

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295

Herausforderungen der globalen
Bevölkerungsentwicklung
Gerhard K. Heilig

Zusammenfassung

Der folgende Beitrag vertritt die Ansicht, dass wir uns inmitten einzigartiger,
globaler Bevölkerungsentwicklungen be� nden, die epochale Auswirkungen
haben werden: Dabei handelt es sich, erstens, um das enorme Wachstum der
Weltbevölkerung – besonders seit der Mitte des 20ten Jahrhunderts; zweitens,
um geographische Verschiebungen in der Weltbevölkerung – vor allem das
starke Anwachsen der Bevölkerungen in Afrika. Drittens, geht es um die rapide
fortschreitende Urbanisierung der Welt und das Entstehen riesiger urbaner
Korridore; und viertens, um die Alterung großer Bevölkerungen in Asien,
Europa und Lateinamerika. Der Begri� „epochale Auswirkungen“ wird dabei
nicht leichtfertig verwendet. Wie die im Folgenden vorgelegten Daten und
Schlussfolgerungen belegen sollen handelt es sich bei den vier oben genannten
Entwicklungen tatsächlich um derart tiefgreifende demogra� sche Umwälzungen,
dass ihre wirtscha� lichen, politischen, sozialen und ökologischen Auswirkungen
die Menschheit insgesamt betre� en werden.

Schlüsselwörter

globale Bevölkerungsentwicklung, Urbanisierung, Infrastruktur, Alterung,
Anthro pozän, demogra� scher Übergang, Afrika

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2017
T. Mayer, Die transformative Macht der Demografie,
DOI 10.1007/978-3-658-13166-1_19

Page 293

296 Gerhard K. Heilig

1 Wachstum der Weltbevölkerung

Demografen haben sich immer wieder die Mühe gemacht historische Quellen und
Modellschätzungen über die zahlenmäßige Entwicklung der menschlichen Popu-
lation zusammenzustellen (Deevey 1960, Durand 1977, Clark 1977, McEvedy 1978,
Biraben 1979, Blaxter 1986, Kremer 1993, Cohen 1995, Lee 2003, Livi-Bacci 2012) .
Obwohl es große Unsicherheiten gibt je weiter man in der Geschichte zurückgeht,
und obwohl die einzelnen Autoren in ihren Schätzungen durchaus voneinander
abweichen, ergeben sich aus diesen Studien dennoch einige klare Trends:

Zunächst ist festzuhalten, dass die menschliche Population während des weit-
aus größten Teils ihrer urgeschichtlichen Evolution nur aus einigen Zehntausend
Individuen bestand . Zur Zeit des Homo Erectus dürften nach Deevey (1960) und
Kremer (1993) vielleicht 125 .000 Individuen den Planeten Erde in kleinen Gruppen
bevölkert haben . Nach neuesten Erkenntnissen, die anhand genetischer Marker
gewonnen wurden, dürfte die Population des Homo Erectus vor etwa 1 .2 Millionen
Jahren weltweit sogar nur etwa 55 .000 Individuen umfasst haben (Huff et al . 2010) .
Der Homo Erectus hat vermutlich für fast 2 Millionen Jahre Afrika, Asien und Eu-
ropa besiedelt . Er war ein Vorläufer des modernen Menschen, aus dem sich später
in Europa der Neandertaler und in Afrika der Homo Sapiens entwickelt haben .

Als der vor ca . 150 .000 Jahren erstmals auftretende Homo Sapiens dann vor rund
50 .000 bis 60 .000 Jahren damit begann, die Welt außerhalb Afrikas erfolgreich zu
besiedeln, dürfte die Gattung „Homo“, zu der zunächst auch noch andere Vertreter
wie z . B . der Neandertaler gehörten, maximal aus rund 2 bis 3 Millionen Individu-
en bestanden haben . Nachdem der Neandertaler in der letzten Kaltzeit vor etwa
30 .000 Jahren ausgestorben war und sich der Homo Sapiens durchsetzte, könnte
sich die globale Population vielleicht etwas erhöht haben . Jedenfalls gehen Deevey
(1960) und Kremer (1993) davon aus, dass um 25 .000 vor unserer Zeitrechnung die
Weltbevölkerung rund 3 .34 Millionen Individuen umfasst hat .

Durch die Einführung der Landwirtschaft gab es dann einen ersten kleinen
Wachstumsschub . Vor etwa 17 .000 bis 12 .000 Jahren vor unserer Zeitrechnung
entstanden in Kleinasien die ersten sesshaften Gesellschaften, die Ackerbau und
Viehhaltung betrieben . Diese Neolithische Revolution dürfte die menschliche
Population allerdings weniger erhöht haben als man vielleicht glauben könnte .
Jedenfalls gibt es Schätzungen, dass nach dem Ende der letzten Eiszeit1 in Europa,
also rund 10 .000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, erst etwa 4 Millionen Menschen
die Erde bevölkert haben (Deevey 1960, Kremer 1993) – eine Zahl, die auch McEvedy
(1978) und Livi-Bacci (2012) akzeptieren .

1 Genauer gesagt, in der letzten Kaltzeit (Glazial) des gegenwärtigen Eiszeitalters .

Page 583

598 Autorenverzeichnis

Bevölkerungswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, des ersten
Lehrstuhls seiner Art . Entpflichtet seit 2003, war er weiterhin in der Lehre bis 2007
und in Funktionen der Forschung und Politikberatung tätig . Seine Forschungs-
schwerpunkte sind: Bevölkerungsanalyse der industrialisierten Welt und der
Entwicklungsländer; Weltbevölkerung und ihre geopolitische Relevanz; Kulturelle
Evolution und Systemökologie . Er ist Mitglied internationaler Fachgremien, der
Deutschen Gesellschaft für Demografie (DGD) und Ehrenmitglied der Deutschen
Gesellschaft für Humanökologie .

Susanne Schmid studierte Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität
München und der Otto-Friedrich Universität Bamberg . Sie promovierte 2011 an
der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main . Von 2000 bis 2007
arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesinstitut für Bevölke-
rungsforschung (BiB) in Wiesbaden . Von 2008-2011 war sie als Wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg
im Bereich Demografie und weltweite Migration tätig . Ehrenamtlich leitet sie seit
2009 den Arbeitskreis „Weltbevölkerung“ der Deutschen Gesellschaft für De-
mografie e . V . (DGD; www .weltbevoelkerung .org) . Seit 2012 leitet sie das Referat
„Arbeit und Soziales, Demografischer Wandel, Familie, Frauen und Senioren“ an
der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) in München .

Renate Schmidt geb . 1943, verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und fünf Enkel-
kinder . Sie war 48 Jahre Vollzeit beschäftigt, davon 12 Jahre als Programmiererin und
Systemanalytikerin, sieben Jahre als Betriebsrätin und 29 Jahre in unterschiedlichen
politischen Funktionen: als Bundestags- und Landtagsabgeordnete (in Bayern,
dort Fraktionsvorsitzende der SPD) . Sie war Vizepräsidentin des Bundestags und
von 2002-2005 Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend . Seit 2009
ist sie im Ruhestand und übt unterschiedliche ehren- und „halbhauptamtliche“
Funktionen aus .

Rembrandt D. Scholz, Dr . oec ., Diplom-Mathematiker, geb . 1953 Berlin, studierte von
1972-1977 Mathematik and der Humboldt-Universität zu Berlin, war von 1977-1998
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie
ebenda (Charité) und von 1999-2000 Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl
Demographie im Institut für Soziologie und Demographie der Universität Rostock .
Seit dem Jahr 2000 ist er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut
für demografische Forschung Rostock beschäftigt . Er hat zahlreiche Publikationen
zum Thema: Lebensverlängerung und Lebenserwartung in Deutschland veröffent-
licht (http://www .demogr .mpg .de/en/staff/scholz/default .htm) .

Page 584

Autorenverzeichnis 599

Norbert F. Schneider ist seit 2009 Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungs-
forschung in Wiesbaden; zuvor war er zwölf Jahre Professor für Soziologie an der
Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er lehrt als Gast- und Honorarprofessor
an den Universitäten Mainz, Frankfurt am Main und Wien. Seit 2016 ist er Vize-
präsident der Deutschen Gesellscha� für Demogra�e. Seine Arbeitsschwerpunkte
liegen in der Familien-, Bevölkerungs- und in der Mobilitätsforschung.

Martin Werding, geb. 1964, ist seit 2008 Professor für Sozialpolitik und ö�entliche
Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum. Zuvor studierte er Philosophie und
Volkswirtscha�slehre in München und Passau und leitete ab 2000 den Forschungs-
bereich „Sozialpolitik und Arbeitsmärkte“ am ifo Institut in München. Seine For-
schungsschwerpunkte sind ö�entliche Finanzen und soziale Sicherung; daneben
befasst er sich mit Fragen der Bevölkerungsökonomie sowie der Arbeitsmarktöko-
nomik. Er ist regelmäßig als wissenscha�licher Berater des Bundesministeriums der
Finanzen, des Bundesfamilienministeriums und des Bundesinnenministeriums tätig.
Seit 2013 ist er Mitglied der Akademie der Wissenscha�en und Literatur in Mainz.

Pia Wohland ist Gesundheitsgeographin und arbeitet an der Hull York Medical
School, UK, wo sie über gesundheitliche Ungleichheit forscht und lehrt sowie den
Bibliothekssauschuss leitet. Sie ist Co-Investigatorin im NewETHPOP Projekt, das
Prognosen über die ethnische Bevölkerungszusammensetzung in Großbritannien
erstellt. Außerdem ist sie Spezialistin in der Entwicklung sekundärer Daten, insbe-
sondere in der Abschätzung demogra�scher Größen, die nicht direkt erhoben werden.

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