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TitleDie Transformation der Mavis Ming
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Page 87

Gesichtsausdruck war zärtlich und erwartungsvoll.
Sie fand keine Worte.
„Es ist dein Stolz“, sagte er.
Er streckte die Hand aus und streichelte ihr Gesicht.
„Ich liebe dich“, sagte er.
„Ich liebe dich.“ Sie fing an zu weinen.
Er half ihr beim Aufstehen und führte sie zu einem ovalen Spiegel, in dem sie ihren Körper
betrachten konnte. Es schien, als sei er ein Gitterwerk aus Blutergüssen. Sie sah, an welchen
Stellen Bloom ihre Schultern und Brüste berührt hatte. Der Schmerz war ohne Gewimmer
kaum zu ertragen, aber Mavis biß die Zähne aufeinander.
„Wirst du es noch einmal tun?“ Es klang fast wie eine Bitte.
Er schüttelte den kleinen Kopf.
Sie ging zurück zum Bett. Ihr Rücken war trotz der Schmerzen gerade. Einen solch
würdevollen Gang hatte sie nie zuvor gehabt. „Warum hast du das getan?“
„Auf diese Weise? Vielleicht, weil es mir an Geduld mangelt. Es gehört zu meinem
Charakter. Es ging schnell.“ Er lachte. „Warum ich es überhaupt getan habe? Weil ich dich
liebe. Weil ich dir zeigen wollte, welche Frau du bist, welche Persönlichkeit in dir steckt. Ich
habe die Schale zerstört.“
„Wird es bleiben - das Gefühl?“
„Nur die Narben verschwinden. An dir liegt es, ob das andere bleibt. Willst du meine Frau
werden?“
Sie lächelte. „Ja.“
„Nun denn, so war meine Expedition doch noch ein Erfolg. Erfolgreicher, als ich gehofft
hatte. Oh, welche Freuden werden wir teilen, welche Wunder werde ich dir zeigen! Keine
Frau kann sich Schöneres wünschen, als die Gemahlin Blooms zu sein, des guten Soldaten,
des Helden der Ewigkeit, des Meisters des Multiversums!“
„Und mein Meister.“
„So wie du meine Meisterin bist, Mavis Ming.“ Er fiel mit einer seltsamen, spastischen
Bewegung vor ihr auf die Knie. „Auf ewig. Wirst du bei mir bleiben? Ich könnte dich in ein
oder zwei Stunden zurückbringen.“
„Ich bleibe“, sagte sie. „Du hast für mich so viel geopfert. Diesen Becher. Er war dein ganzer
Stolz.“
Er sah sie verschämt an. „Volospion hat den Becher verlangt, den ich im Schiff aufbewahre.
Den Heiligen Gral konnte ich ihm nicht geben, denn es liegt nicht an mir, ihn zu verschenken.
Allerdings habe ich ihm etwas gegeben, was mir fast genauso viel bedeutet. Wenn Doktor
Volospion jemals die Inschrift auf diesem Becher entziffern kann, wird er entdecken, daß der
Pokal 1980 von der Bäckermeisterinnung an Leonard Bloom verliehen wurde - und zwar für
das beste Knüppelbrot auf der jährlichen Backwarenausstellung von Whitechapel, London. Er
war ein sehr guter Bäcker - mein Vater. Ich liebte ihn. Ich habe den Pokal während all meiner
Reisen durch die Zeitströme bei mir gehabt. Er war das Wertvollste, was ich besaß.“
„Du besitzt also gar nicht den Gral?“ Sie lächelte. „Die Geschichte gehörte zu deinem Plan.
Du hast vorgegeben, ihn zu besitzen, und so getan, als wärst du machtlos. Du hast Doktor
Volospion an der Nase herumgeführt.“
„Genau wie er mich. Wir sind beide zufrieden, dehn es ist unwahrscheinlich, daß er meine
List jemals durchschauen wird. Er hält sich zweifellos für einen tollen Burschen! Wir sind alle
zufrieden!“
„Und jetzt... ?“ fragte sie.
„Und jetzt muß ich dich allein lassen“, sagte er. „Ich muß das Schiff steuern. Ich zeige dir,
was vom Universum übriggeblieben ist. Dann führe ich dich durch die Mitte des hellsten
Sterns in die viel größere Weite des Multiversums! Dort werden wir andere inspirieren
können. Und wenn wir kein Leben auf unseren Wanderungen antreffen sollten, liegt es in

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